BZ vom 08.09.2017: Neue Freunde in Říčany

Blick auf Říčany: Die 15.000-Einwohner-Stadt liegt rund 25 Kilometer von Prag entfernt. Foto: Rudolf FlachsBZ-Interview mit Jana Vavřinová aus Borkens neuer Partnerstadt

BORKEN. Am heutigen Freitag wird zum Auftakt des Stadtfestes die neue Partnerschaft besiegelt. Borken und Říčany (sprich: Dschidscheni) in Tschechien werden offiziell Schwester-Städte. Bevor die Delegation unter der Leitung von Bürgermeister Vladimír Kořen nach Borken kommt, hat BZ-Redakteur Peter Berger per Mail Jana Vavřinová interviewt. Sie koordiniert in Říčany die Städtepartnerschaften.

BZ: Frau Vavřinová, bitte beschreiben Sie Ihre Heimatstadt Říčany!

Vavřinová: Říčany liegt rund 25 Kilometer entfernt von Prag. Sie liegt in Mittelböhmen und gehört zur Region Středočeský – Mitteltschechien. Die Stadt hat 15.000 Einwohner. Ich selbst lebe hier seit meiner Geburt. Die Stadt ist von Wäldern, Seen und Feldern umgeben. Aber auch von viel befahrenen Straßen. Trotz der Nähe zu Prag ist die Stadt berühmt für die gute Luftqualität. Es gibt hier seit 1896 auch die Olivovna, ein medizinisches Kurzentrum für Atemwegsprobleme, das besonders auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten ist. Unsere Stadt hat sich stark entwickelt, es hat sich viel zum Positiven getan.

BZ: Was ist das Typische an Říčany –zum Beispiel Sehenswürdigkeiten?

Vavřinová: Es gibt die Ruinen des alten Schlosses von Říčany, das aus der Zeit der letzten Premyslid-Dynastie stammt. Außerdem gibt es die 1270 erbaute, gotische St.-Peter-und-Paul- Kirche. Dazu verschiedene Seen, die sich zum Schwimmen eignen, besonders bekannt ist der Jureček-See, den viele Menschen nutzen und der auch viele Gäste aus Prag anzieht.

BZ: Deutsch und Tschechisch sind sehr verschiedene Sprachen. Inwieweit könnte das die Verständigung erschweren?

Vavřinová: Mit Ihnen tausche ich mich gut auf Englisch aus. Und ohne Fremdsprache hat man ja immer noch Hände und Füße, mit denen man sich verständigen kann.

BZ: In der Europäischen Union gibt es derzeit viele Probleme. Welche Hoffnungen verbinden Sie mit den Städtepartnerschaften zwischen Ost- und Westeuropa?

Jana VavřinováVavřinová: Zunächst sind die Partnerschaften zwischen Ost- und Westeuropa nach 1989, der Zeit der „Samtenen Revolution" in Tschechien und anderen Ereignissen im restlichen Osteuropa, entstanden. Das Ziel solcher Partnerschaften war es, dass die besser gestellten westlichen Städte den neuen, demokratischen Städten im östlichen Europa nach der Zeit des Kommunismus helfen sollten. Die Partnerschaften in Říčany starteten 1994 unter dem damaligen Bürgermeister als kleine Geschäftsreisen mit dem Ziel, so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln, mit den Bürgern in Kontakt zu kommen und Dinge auf neue Weise anzugehen. Das hat gut funktioniert. Der Austausch findet dabei immer auf ehrenamtlicher Basis statt. Das Ziel ist es, den zwischenmenschlichen, sozialen und kulturellen Austausch zu unterstützen und die Partnerschaft und Freundschaft zwischen den Bürgern beider Städte zu vertiefen. Kooperationen in den Bereichen Kultur, Tradition und Geschichte sollen gefördert werden. Das gilt auch für Wissenschaft und Bildung. Außerdem geht es um den Wissens- und Erfahrungsaustausch im Bereich der kommunalen Verwaltung. Nicht zuletzt geht es aber auch um den Austausch über den Umgang mit EU-Fördermitteln.

BZ: In welchen Bereichen könnte sich konkret ein Austausch zwischen den Städten Říčany und Borken entwickeln?

Vavřinová: Seit vielen Jahren schon funktioniert die Kooperation unserer Musikschulen sehr gut. Die Schulen kommen zusammen, um zu singen und Musik zu machen. Wir würden das gerne ausbauen und weitere Austauschmöglichkeiten schaffen, zum Beispiel im Bereich der Verwaltung oder in Sachen Sport und Bildung.

BZ: Was kennen Sie bereits von Borken?

Vavřinová: Ich weiß, dass Borken bekannt für seine Türme ist und dass diese zur mittelalterlichen Befestigungsanlage gehörten. Es gibt ein traditionelles Stadtfest, auf dem auch unsere Musikgruppen bereits seit Jahren auftreten. Ich selbst war noch nie in Borken. Ich freue mich schon sehr auf meinen ersten Besuch.

Übersetzung aus dem Englischen: Jobst Christian Höche

Quelle: Borkener Zeitung vom 8. September 2017

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