BZ vom 09.05.2015: THEMA DER WOCHE - Städtepartnerschaften

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Zum Glück selbstverständlich
Es ist 70 Jahre her, da lag Europa am Boden. Zuvor hatten sich Völker mit einer Unerbittlichkeit bekämpft, wie wir sie uns heute zum Glück nicht mehr vorstellen können. Der Zweite Weltkrieg hinterließ ein Europa, in dem die Kriegsgegner sich noch jahrzehntelang mindestens misstrauisch begegneten.

Dieser Krieg ist erst 70 Jahre her. Natürlich klingen die Erzählungen von Bombenangriffen und dem Sterben an der Front für heutige Generationen fern, wenn sich – wie in diesen Tagen auch in der Borkener Zeitung – Zeitzeugen zu Wort melden. Dass manche genervt abwinken, weil sie die Geschichten nicht mehr hören oder lesen möchten, kann man getrost auch als positives Zeichen sehen. Denn diese Art der Konflikte ist heutigen Generationen in Westeuropa zum Glück völlig fremd.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass es in den vergangenen Jahrzehnten gelungen ist, dass sich die Menschen in Europa näherkommen. Städtepartnerschaften haben dazu einen erheblichen Beitrag geleistet. Die Kreisstadt pflegt Freundschaften nach England, Dänemark, Schweden und Polen. Nun findet sich niemand mehr, der den Vorsitz des Vereins übernehmen will, der diesen Freundschaften einen Rahmen, eine Anlaufstelle bieten will.
Das ist schade, denn es droht ein Bruch in dieser langen Geschichte der Freundschaften, die über die Jahre aufgebaut und gepflegt wurden. Verwundern kann es bei näherem Betrachten aber nicht, dass der Generationswechsel in den Partnerschaftsvereinen schwer fällt. Das ist in den Partnerstädten sogar noch auffälliger. Die Kontakte zwischen jungen Leuten aus aller Herren Länder sind heute – persönlich wie virtuell – viel einfacher zu knüpfen und aufrecht zu erhalten als noch vor 20 Jahren. Alltäglich sind sie aber nicht, und deshalb wird es auch künftig wichtig sein, dass sich Menschen um dieses europäische Zusammenleben verdient machen.

Quellenangabe:

 

Bericht Borkener Zeitung vom 9. Mai 2015, Sven Kauffelt